Folgeschäden vermeiden – versäumte Schulimpfungen nachholen

Handhabung in Österreich je nach Bundesland und Schultyp verschieden – Eltern sollten Rücksprache mit Kinderärzt*in halten

Wien, 29. April 2021. Laut österreichischem Impfplan sind viele wichtige Impfungen im Pflichtschulalter vorgesehen. Aus gutem Grund sind die meisten auch im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten. Dazu gehören die 4-fach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung, aber auch jene gegen Hepatitis B, HPV und Meningokokken ACWY. Je nach Bundesland und Schultyp fällt die Durchführung dieser Impfungen in den Schulen aber unterschiedlich aus. Das war schon vor der Pandemie so, zeigt sich aber jetzt umso mehr. Ein Großteil der Schulimpfungen sind im letzten Schuljahr ausgefallen oder verschoben worden. Ob und wie sie nachgeholt werden sollen, ist großteils noch unklar. Expert*innen fordern nun auch die Eltern auf, den Impfpass ihrer Kinder checken zu lassen und wenn nötig Impfungen vom* von der Kinderärzt*in oder in öffentlichen Impfstellen nachholen zu lassen.

Schulimpfungen als niederschwelliger Impfzugang

„Schulimpfungen sind ein wichtiger Hebel, um junge Menschen zwischen dem Kleinkind- und dem Erwachsenenalter so umfassend und so niederschwellig wie möglich zu erreichen“, erläutert MR Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer. So würden die Auffrischungsimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten) und Polio (Kinderlähmung) üblicherweise in der zweiten oder dritten Klasse Volksschule verabreicht. „Einen hohen Stellenwert in der Prävention hat aber auch die Meningokokken-Impfung“, so Schmitzberger. „Sie schützt vor wichtigen Erregern der bakteriellen Gehirnhautentzündung. Diese Impfung wird zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr angeboten und sollte unbedingt wahrgenommen werden.“

HPV-Impfung rechtzeitig durchführen

Auch die HPV-Impfung müsse rechtzeitig durchgeführt werden. „Am besten schon in der vierten Klasse Volksschule“, ergänzt Prof. Dr. Elmar Joura von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde an der MedUni Wien und begründet dies auch sogleich: „Bei Kindern fällt die Immunantwort stärker aus und die Antikörperspiegel sind höher. Daher brauchen Kinder auch nur zwei statt drei Teilimpfungen wie es bei Erwachsenen notwendig ist. Ein weiterer Vorteil der Kinderimpfung ist, dass man damit bereits der ersten Infektion mit dem HP-Virus zuvorkommen kann.“ Es sei die einfachste Art, Krebs zu verhindern. Wären ausreichend viele Menschen gegen HPV geimpft, würden einige Krebsarten nur noch selten vorkommen. Die HPV-Impfung sei für Buben entgegen mancher Annahmen genauso wichtig wie für Mädchen, so Joura. Junge Männer erkrankten zum Beispiel häufiger an Genitalwarzen, aber auch an bestimmten Krebserkrankungen wie Rachenkarzinomen.

Uneinheitliche Schulimpfungen

All diese Impfungen werden üblicherweise überwiegend in der Schule durchgeführt. „Doch auch schon vor der Corona-Pandemie war die Impf-Situation in den Schulen in den einzelnen Bundesländern divers“, berichtet Mag.a Sigrid Haslinger, Vizepräsidentin des ÖVIH. „Jedes Bundesland organisiert die Schul-Impfungen ein wenig anders: In manchen Bundesländern impfen Amtsärzt*innen in den Pflichtschulen, in anderen Schulärzt*innen oder delegierte Impfärzt*innen, in einigen Schulen findet aufgrund vielschichtiger Herausforderungen gar keine Impfung statt.“ „Für viele Eltern ist es aber eine Erleichterung, wenn Kinder in den Pflichtschulen direkt am Schulstandort geimpft werden können“, berichtet die Vorsitzende des Dachverbandes der Elternbände der Pflichtschulen Österreichs Ing.in M. Evelyn Kometter, solange die Impfungen freiwillig seien. Um sich für oder gegen die Impfung ihrer Kinder entscheiden zu können, sei jedoch eine ausreichende Aufklärung der Eltern kurz vor der geplanten Impfung wichtig. Derzeit finde diese aber nur selten so statt wie es wünschenswert wäre.

„Die Pandemie hat die Situation in den Schulen natürlich verschärft. Durch die Schulschließungen oder den Schichtbetrieb war es teilweise gar nicht möglich, Impfungen an den Schulen zu organisieren“, fügt Haslinger hinzu. Das zeigen auch die Zahlen. „Die abgerufenen Impfdosen betragen teilweise nur noch deutlich weniger als die Hälfte des Jahres 2019“, sagt Schmitzberger. „Von den bereitgestellten HPV-Dosen sind nur 45 %, von den Hepatitis-B-Dosen 40 % und von den Meningokokken-Dosen 39 % im Vergleich zu 2019 verwendet worden.“

Jedes Bundesland sei bemüht, Alternativen zum Nachholen der verpassten Impfungen anzubieten, so Haslinger. Teilweise würde es auch noch gelingen, Impfungen an den öffentlichen Pflichtschulen im laufenden Sommersemester durchzuführen. Das wünscht sich auch Elternvertreterin Kometter. Voraussetzung dafür wäre aus ihrer Sicht ein Elternbrief mit Informationen zu den nachzuholenden Impfungen, am besten gleich gekoppelt mit den entsprechenden Terminen.

Uneinheitliche Schulimpfungen

All diese Impfungen werden üblicherweise überwiegend in der Schule durchgeführt. „Doch auch schon vor der Corona-Pandemie war die Impf-Situation in den Schulen in den einzelnen Bundesländern divers“, berichtet Mag.a Sigrid Haslinger, Vizepräsidentin des ÖVIH. „Jedes Bundesland organisiert die Schul-Impfungen ein wenig anders: In manchen Bundesländern impfen Amtsärzt*innen in den Pflichtschulen, in anderen Schulärzt*innen oder delegierte Impfärzt*innen, in einigen Schulen findet aufgrund vielschichtiger Herausforderungen gar keine Impfung statt.“ „Für viele Eltern ist es aber eine Erleichterung, wenn Kinder in den Pflichtschulen direkt am Schulstandort geimpft werden können“, berichtet die Vorsitzende des Dachverbandes der Elternbände der Pflichtschulen Österreichs Ing.in M. Evelyn Kometter, solange die Impfungen freiwillig seien. Um sich für oder gegen die Impfung ihrer Kinder entscheiden zu können, sei jedoch eine ausreichende Aufklärung der Eltern kurz vor der geplanten Impfung wichtig. Derzeit finde diese aber nur selten so statt wie es wünschenswert wäre.

Einbrüche bei Durchimpfungsraten kompensieren

„Zusätzlich ist es entscheidend, dass Eltern gemeinsam mit den Kinderärzt*innen und Hausärzt*innen den Impfstatus überprüfen und etwaige verpasste Impfungen identifizieren und die Nachimpfung in die Wege leiten“, betont Haslinger und fügt hinzu: „Um hier zu unterstützen, hat der ÖVIH die verschiedenen Möglichkeiten dafür in einem Factsheet zusammengetragen.“ Wichtig sei das Zusammenspiel zwischen Schulen, Impfstellen und Ordinationen, um die Ausfälle im Schulimpfprogramm zu kompensieren, betont auch Schmitzberger.

Logistische Hürden im Schularztsystem beseitigen

Die Schulärzt*innen müssten nach Aufnahme des Regelbetriebes aus Sicht von Schmitzberger auch noch für die Bedeutung der Masern-Mumps-Röteln-Impfung und der FSME-Impfung sensibilisieren. Bei beiden Krankheiten fürchtet er einen Anstieg der Fallzahlen nach oder sogar noch während der Pandemie, wenn nicht aktiv gegengesteuert würde. Er betont: „Die österreichischen Schulärzt*innen sind hochmotiviert zu impfen. Es bestehen aber auch ohne Pandemie immer noch logistische Hürden, die es zu beseitigen gilt. Hier wäre noch ein riesiges Potenzial vorhanden, was die generelle Erhöhung der Impfraten betrifft.“

Logistische Hürden im Schularztsystem beseitigen

Das Factsheet des ÖVIH zu den Schulimpfungen ist unter folgendem Link abrufbar:
https://oevih.at/wp-content/uploads/2021/04/OeVIH-21_Factsheet-Schulimpfung_2804.pdf

Rückfragehinweis:

Mag.a Uta Müller-Carstanjen
FINE FACTS Health Communication
Mobil: +43 664 515 30 40
mueller-carstanjen@finefacts.at
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